Pflegearbeiten und Anpflanzung neuer Maulbeerbäume

Nachdem Mitarbeiter  des Bauhofs in der vorletzten Woche das Unterholz komplett entfernt hatten, war der OGV Leutenbach im Rahmen seiner Patenschaft für den Leutenbacher Maul- beerbaumhain am Samstag, 1. März 2014, mit einem Arbeitseinsatz dort tätig. Claus Lämmle, Roland Lämmle, Werner Neubauer, Armin Schröder, Andreas Hieber und Dieter Blessing schnitten die Maulbeerbäume und entfernten aus ihnen das Totholz. Um den Bestand lang- fristig zu sichern, hat der OGV 10 neue (weiße)  Maulbeerbäume gespendet. Nachdem man die Standorte festgelegt hatte, wurden die Pflanzlöcher vorbereitet, die Maulbeerbäumchen eingepflanzt, an den Stützstäben angebunden und mit einem Schutz gegen  Wildverbiss ver- sehen. Mit Unterstützung durch Werner Fleischmann vom Nabu wurden auch drei Tages- unterstände für Fledermäuse an den Maulbeerbäumen aufgehängt. Der OGV bedankt sich bei allen Beteiligten (Bauamt, Bauhof, den genannten OGV Mitgliedern und Werner Fleischmann vom Nabu) für die gute Zusammenarbeit  zum Wohle des Leutenbacher Maulbeerhains.

Maulbeerhain 4
Maulbeerhain 3

Am 8. Mai 2013 fand die feierliche Übergabe der Patenschafts- urkunde für den Maulbeerhain durch Bürgermeister Jürgen Kiesl an den 1. Vorsitzenden, des Obst- & Gartenbauverein Leuten- bach e.V. statt.

 

Der OGV seinerseits brachte zur Überraschung von Bürger- meister Jürgen Kiesl eine Edelstahltafel mit der botanischen Beschreibung der Maulbeerbäume und der Geschichte des Maulbeerhains mit.

 

Diese, mit einem Laser beschriftete Tafel, wurde von Auszubil- denden der Firma H.P. Kaysser im Rahmen ihrer Ausbildung, in der “Lernfabrik”, angefertigt und dem OGV und der Gemeinde kostenlos zur Verfügung gestellt.

 Vielen Dank dafür!

Maulbeerhain 1

OGV Vorstand Andreas Rommel und Bürgermeister Kiesl

Bürgermeister Jürgen Kiesl und der ehemalige Leutenbacher Bürgermeister und OGV - Ehrenmitglied Ernst Schniepp

Zeitzeuge und OGV - Mitglied Alfred Hieber , OGV Vorstand Andreas Rommel und Bürgermeister Jürgen Kiesl mit der Infotafel zum Leutenbacher Maulbeerbaumhain

OGV Leutenbach e.V. übernimmt Patenschaft für den Maulbeerhain

weiße Maulbeeren 19072013-6
Schwarze Maulbeere 05072013-1

weiße Maulbeere

schwarze Maulbeere

  Alfred Hieber, ein damaliger Schüler erinnert sich

 

“Im Frühjahr 1940 befassten wir uns im Rahmen des Naturkundeunterrichts mit der Seiden- raupenzucht. Zwei Schüler mussten mit einem Handleiterwagen zu Fuß nach Waiblingen (etwa 10 km) gehen und auf der Bildstelle einen Filmprojektor und zwei Filme abholen. Die Filme über Seidenraupenzucht und Maulbeerbäume wurden im Schulunterricht angeschaut, danach musste der Filmprojektor und die Filme wieder mit dem Handleiterwagen nach Waiblingen zu- rückgebracht werden”.

“Auch in Leutenbach sollten Maulbeerbäume  ge pflanzt werden, doch niemand stellte ein Grund- stück zur Verfügung”.

“Deshalb wurden von uns, unter der Anleitung von unserem Lehrer Karl Holl, die bereitge- stellten Maulbeerbaumsetzlinge auf dem Gelän- de des Wasserhochbehälters Stumppen, das der Gemeinde Leutenbach gehörte, ausgepflanzt”.

“Täglich mussten wir mit dem Lehrer hier he- rauf und die Setzlinge gießen, das war uns aber lieber als der Schulunterricht. Lehrer Holl schloss den Deckel des Hochbehälters auf, stieg dann auf die Plattform hinab und befüllte die Eimer mit dem Wasser. Er gab sie uns herauf und wir mussten die, etwa kniehohen, Maul- beerbäumchen gießen. Einmal haben wir aus Spaß einen Eimer Wasser über Lehrer Holl aus- geleert, der das aber gar nicht lustig fand - wir wurden von ihm bestraft”.

Maulbeerhain 10

“Nach dem Krieg hat sich dann keiner mehr um die Maulbeerbäume gekümmert. Keiner konnte mit ihnen etwas anfangen, wenn ich zur Reifezeit der Maulbeeren in der Nähe auf dem Acker zur Arbeit war, bin ich oft hier her und habe von den Maulbeeren gegessen”.

Aufstellen der Infotafel “Maulbeerhain”

Schilaufbau 1
Schildaufbau 2
Infotafel

Nachdem Dieter Blessing, der 2. Vorstand des OGV, den stabilen Infotafelständer (aus 40 mm x 40mm x 5 mm starkem Stahlrohr) geschweißt hatte, wurde dieser verzinkt und die, in der Lernfabrik der Fa. Kaysser, mit einem Laser beschriftete Edelstahltafel mit Schrauben daran befestigt.

 

Am 18. Juni 2013 war es dann endlich soweit. Bei 32° C, hoben OGV-Mitglied und Gemein- derat Claus Lämmle und er mühevoll ein großes Loch am Fuße des Maulbeerhains aus.

 

150 Liter schnell abbindender Beton und mehrere Armierungseisen halfen die Infotafel fest und sicher im Untergrund zu verankern.

 

Schon von weitem fällt diese Infotafel auf und mancher Passant, der sonst achtlos vorbei gegangen wäre, nimmt die Information über die Maulbeerbäume und ihre Geschichte nun bewußt wahr.

1 Hainpflege 1 kD
2 Hainpflege 2 kD
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Ernst Schniepp und seine ehrenamtlichen Helfer engagierten sich in der Vergangenheit für den Erhalt des Maulbeerhains.

Als Naturliebhaber war ihm schon lange bewusst, was für eine Rarität sich in der Nähe seines Wohnhauses befindet. Er schritt auch ein, als ein skrupelloser Zeit- genosse Äste von den Bäumen sägen wollte. Die Blätter der Äste sollten kostenloses Futter für seine Seidenraupenzucht sein.

In seiner kleinen Ansprache über die Geschichte des Leutenbacher  Maulbeerhains erwähnte unser  Ehren- mitglied Ernst Schniepp auch folgendes. In einem Fachgespräch habe Ihm ein leitender Mitarbeiter des Gartenbauamtes der Stadt Stuttgart einst mitgeteilt,

 “Die Stadt Stuttgart würde sich glücklich schätzen, wenn sie so ein Juwel, wie den Leutenbacher Maulbeerhain, besitzen würde”.  

Maulbeerhain 9

Bürgermeister i.R. Ernst Schniepp - “Schutzpatron” des  Maulbeerhains

 

Der Leutenbacher Maulbeerhain

Maulbeerhain 7

Die Maulbeerbäume sind ein Relikt aus der Zeit des 2. Weltkrieges. Im Frühjahr 1940 wurden sie im Rahmen der “Aktion Maulbeerbäume” von Leutenbacher Volksschülern unter der Auf- sicht von ihrem Lehrer Karl Holl hier gepflanzt. Die Blätter sollten als Futter für Seidenraupen dienen, um aus deren Kokons wertvolle Naturseide gewinnen zu können. Diese Naturseide wurde für die Herstellung von Fallschirmen für die Luftwaffe benötigt. Nach Ende des Krieges wurden die Bäume einfach schlicht vergessen, niemand kümmerte sich mehr um sie. Ihr Über- leben verdanken sie dem Umstand, dass sie auf Gemeindegrund standen und niemand den Boden für eine andere Nutzung benötigte.

Später engagierte sich unser OGV-Ehrenmitglied, der ehemalige Leutenbacher Bürgermeister, Ernst Schniepp, mit einer Anzahl von freiwilligen Helfern, für deren Erhalt.

2012 wurden wir von Ihm angefragt, ob wir die Patenschaft für den Maulbeerhain übernehmen könnten. Er und seine freiwillige Helfer, die dies seither getan hätten, seien nun in einem fort- geschrittenen Alter und könnten dies nicht mehr. Wir erklärten uns bereit den Maulbeerhain zu pflegen und dessen Fortbestand zu sichern.

Auf dem ehemaligen Wasserhoch- behälter Stumppen stehen Bäume, die für unsere Region und in dieser Anzahl eine absolute botanische Rarität darstellen.

Wer Sie genauer betrachtet, ist meist ratlos, denn es ist schwer zu erkennen, um welche Baumart es sich handelt.

Es sind Maulbeerbäume

Der Leutenbacher Hain besteht aus acht schwarzen (Morus nigra L.) und zwei weißen (Morus alba L.) Maulbeerbäumen

OGV Leutenbach e.V. erhält

Kulturlandschaftspreis 2014

für die Pflege des Leutenbacher Maulbeerhains

Kulturlandschaftspreis 5

von links nach rechts, Ministerialdirektor Wolfgang Reimer (Ministerium für ländlichen Raum und Verbraucherschutz), Bürgermeister Jürgen Kiesl, Dieter Blessing (OGV Leutenbach), Andreas Rommel (OGV Leutenbach), Peter Schneider (Vorsitzender des Vorstandes der Sparkassenstiftung Umweltschutz) und Fritz-Eberhard Griesinger (Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes)

Der OGV Leutenbach e.V. ist  Hauptpreisträger beim diesjährigen Wettbewerb, um den Kulturlandschaftspreis 2014. Dieser Preis wird vom Schwäbischen Heimatbund in Stuttgart mit Unterstützung der Stiftung Umweltschutz des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg an Privatpersonen, Vereine und Institutionen verliehen, die sich herausragend um den Erhalt typischer Kultur- landschaften kümmern und verdient gemacht haben. Die feierliche Verleihung des Kulturlandschaftspreises 2014, fand im Rahmen eines Festaktes am 14. Oktober 2014 in der Schlosshalle in Wurmlingen (Landkreis Tuttlingen) statt.

Der Vorsitzende der Jury, Dr. Volker Kracht, würdigte die Arbeit des Obst- und Gartenbau- vereins Leutenbach in seiner Laudatio folgendermaßen.

„Das Obstbäume neben ihrer Bedeutung als Biotop-Bestandteil und im Landschaftsbild noch ganz andere Funktionen in und für die Kulturlandschaft übernehmen können, zeigen uns die Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins Leutenbach. Ihre Bewerbung erzählt von einem Projekt, bei dem Obstbäume heute noch Zeugen einer historischen und meist längst ver- gessenen kulturlandschaftlichen Funktion sind. Was ist gemeint? 1942, während des Zweiten Weltkrieges, gab es im Rahmen der Autarkiebestrebungen des Deutschen Reiches, von Roh- stoffimporten unabhängig zu werden, eine deutschlandweite Aktion an Schulen, im Natur- kundeunterricht Maulbeerbäume, Maulbeerhaine oder Maulbeer-Alleen zu pflanzen. Damit sollte die Futtergrundlage geschaffen werden, für eine Seidenspinner-Zucht im großen Stil. Die Raupen dieses Falters leben von Maulbeerblättern und produzieren die Maulbeerseide – Grund- stoff für eine groß angelegte Fallschirmproduktion. Das groß angelegte Projekt war nicht wirklich erfolgreich. Von den zahllosen jungen Maulbeerbäumen, die damals in Deutschland gepflanzt wurden, sind kaum noch welche vorhanden und kaum jemand erinnert sich an ihre Geschichte und die Funktion, die ihnen damals zugedacht war. Darum ist es ein wirklicher Gewinn, dass der Obst- und Gartenbauverein Leutenbach 2012 die Patenschaft und Pflege des vor Ort noch vor- handenen Maulbeerhains übernommen hat. Er besteht aus insgesamt zehn schwarzen und weißen Maulbeerbäumen rund um einen ehemaligen Wasserhochbehälter in der Feldflur und ist wohl das einzige noch verbliebene Beispiel in der Region. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde als Grundstücksbesitzer haben die Vereinsmitglieder die vergreisten Bäume vom Totholz befreit, fachgerecht zurück geschnitten und im vergangenen Jahr auch zehn neue weiße Maul- beerbäume gepflanzt, um die Tradition dieser Besonderheit auch für die Zukunft zu sichern. Mit einer Tafel, auf der sowohl Informationen zu dieser botanischen Besonderheit in unseren Landschaften, als auch zur Entstehungsgeschichte dieses kulturlandschaftlichen Zeugnisses zu lesen sind, ist der Grundstein gelegt, dieses Wissen auch weiterzugeben an die Generationen nach uns. Für dieses besondere Beispiel zur Erhaltung eines kulturlandschaftlichen Elementes erhält der Obst- und Gartenbauverein Leutenbach den diesjährigen Kulturlandschaftspreis“.

 

Leutenbach_Rems-Murr-Kreis1
Leutenbacher Maulbeerhain
Wappen_Leutenbach_BW